Das Jahr 2011 neigt sich dem Ende entgegen. Kein leichtes Jahr für Euro, die Regierungsparteien und Regierungen der Europäischen Union EU. Nach all den Hiobsbotschaften der schwer angeschlagenen Schuldenländern Italien, Spanien, Portugal, Irland und vor allem Griechenland fragen sich nun viele, was das neue Jahr ökonomisch wohl bringen mag. Wir wagen einen Ausblick

Euro und die Europäische Union
Vieles spricht dafür, dass die Schuldenkrise auch weiterhin im zentralen Blickfeld der Investoren und der Öffentlichkeit bleiben wird. Vor allem Italien mit seinen 1900 Mrd Euro Staatsschuld macht vielen Beobachtern Sorgen bei der derzeit schwachen konjunkturellen Entwicklung. Ob die Regierung Monti es schaffen wird, die technische Rezession, die aktuell und im Frühjahr 2012 wahrscheinlich ist zu überwinden, wird essentiell für den Fortbestand des Euro sein.
Nicht weniger problematisch ist die Lage bei den anderen Schuldenstaaten. Für Griechenland sieht die Situation fast schon verweifelnd aus, hat doch selbst die OECD dem Land die Reformfähigkeit abgesprochen.
Zudem wird sich zeigen müssen, ob nach der Übergangsregierung eine demokratisch geführte Regierung die Macht erlangt, die fähig und willens ist, die strengen Reformbestrebungen weiter zu führen. Vor allem aufgrund der Ablehnung der Sparpakete im griechischen Volk ist es eher unwahrscheinlich, dass Griechenland im selben Tempo an den Sparbemühungen festhalten wird wie in der Vergangenheit. Dann muss sich zeigen, ob die EU, der Internationale Währungsfonds IWF und weitere Gläubiger das Land noch am Finanztropf belassen wollen. Wenn nicht, muss Griechenland auf jeden Fall aus der Euro-Zone austreten.

Euro-Bonds:
Die ungeliebten Gemeinschaftsanleihen sind längst mehr als nur eine Option. Es ist mehr als wahrscheinlich, dass sie in der ein oder anderen Form entweder entschärft oder wie etwa von Frankreich gewünscht kommen werden. Auch wenn sich die deutsche Bundesregierung mit guten Argumenten dagegen stemmt, wird diese Einstellung wohl nicht dauerhaft zu halten sein. Zwar werden durch Euro-Bonds der Druck zum Sparen zumindest teilweise von den Schuldenländern genommen. Andererseits wird die Refinanzierung für die südlichen Euro-Staaten bei den derzeitigen hohen Zinsspreads zwischen Nord- und Mitteleuropa und dem Süden kaum mehr möglich sein auf dem freien Kreditmarkt.

Europäische Zentralbank EZB:
Die EZB hat bei der aktuellen Schuldenkrise eine Schlüsselrolle inne. Einerseits sollte sie auf die Geldwertstabilität achten, andererseits den Euro retten. Eine kaum machbare Aufgabe. So flutet die EZB den Geldmarkt mit billigen Zinsen und stellt den Banken Liquidität von fast 500 Mrd. Euro zur Verfügung. 489 Mrd. Euro erhielten vor wenigen Tagen 523 Banken.
Es ist davon auszugehen, dass trotz der erhöhten Inflationsrate von über 2 Prozent das Präsidium der EZB tendenziell eher die Leitzinsen weiter senken wird. Die Inflation wird also mittelfristig auf einem höheren Niveau verharren – bei zugleich sehr geringen Zinsen, also einem negativen Realzins.

deutscher Aktienmarkt:
Die Aktienmärkte zeigten sich dieses Jahr durch die vielen makroökonomischen Nachrichten sehr verunsichert. Das dürfte auch im nächsten Jahr nicht anders sein. Vor allem bei einer schwachen konjunkturellen Lage und einer mittelschwachen Rezession ist davon auszugehen, dass gerade exportstarke Firmen Umsatzeinbrüche hinnehmen müssen. Schwer einzuschätzen ist vor allem auch die Entwicklung in den USA und China. Sollten die USA eine geringere Investitionsnachfrage aufweisen und auch der Konsum noch stärker sinken, wird dies deutschen Firmen deutlich zusetzen, mit entsprechenden Folgen für Betriebe im produzierenden Gewerbe.
Auch dem Finanzsektor und den Energieversorgern stehen harte Einschnitte bevor. Allerdings könnten mittelfristig hiervon die Aktienkurse wieder deutlich profitieren.

Arbeitslosigkeit:
Hier sind 2012 vorerst aufgrund der noch stabilen Ertragslage keine dramatischen Entwicklungen zu erwarten. Allerdings wird es wohl deutliche Umschichtungen in verschiedenen Sektoren wie etwa in der Finanzsparte geben. Auch die Zahl der Leiharbeiter und geringfügigen Beschäftigungen könnte nochmals zunehmen.
Spannend wird entsprechend sein, wie sich die Beitragseinnahmen der Krankenversicherungen und der Lohnsteuer entwickeln wird.

Gold:
Gold ist die Krisenwährung. Beweis hierfür ist die Entwicklung von ca. 1400 Dollar auf 1600 Dollar in einem Jahr. Auch andere Edelmetalle wie Silber und Palladium haben teils massive Zugewinne verbuchen können. Diese Entwicklung könnte anhalten, vor allem, wenn der Euro seine Vormachtstellung durch Austritte einzelner Länder verliert. Dennoch kann der Einstieg ins Gold sehr riskant sein. Ob wirklich große Gewinnspannen zu erwarten sind, sehen viele Analysten derzeit bei dem historisch hohen Preis sehr skeptisch

Wachstumsbranchen:
Wahrscheinlich ist, dass binnenstarke Branchen auch 2012 deutlich expanieren könnten. Dazu zählen forschungsintensive Branchen wie die Biotechnologie, Pharmazie, Chemische Industrie und auch der Bildungssektor.